Sonne, Park, Gänseblümchen, Joint, Buch und Gameboy. Hedonismus im Herzen und Communismus im Kopf.
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Eiskönigin, dachte er, bevor sich seine Enttäuschung in erdrückende Leere verwandelte. Er war gerüstet gewesen. Auf alles hatte er sich vorbereitet. Nur nicht auf diesen Gegner, denn die Gleichgültigkeit ließ sich nicht bekämpfen, weil sie sich jeder Konfrontation entzog.
Seine Emotionen waren das Feuer, das es nicht durch den dichten Nebel schaffte, sondern in einer Wolke aus kaltem Ruß erstarb, ohne in ihr etwas entfachen zu können.
Er kannte diese Wand aus Schweigen und Eis, mit der sie sich und ihr zartes Herz schützte. Er wusste, was es war, das diese Barriere aufrechterhielt. Dass sie, wenn sie gekonnt hätte, sich gern in all ihrer Verletzbarkeit dem heißen Funkensturm entgegengestellt hatte, den seine Worte darstellten. Aber dies war ihre Bürde, es war schon immer der Preis für ihre Stärke gewesen.
Selbst in diesem Moment strahlte sie noch so viel Ruhe und Würde aus. Ihr Herz hatte sie in Ketten gelegt, weil es sonst in einen so gewaltigen Feuersturm ausbräche, dass nicht einmal sie selbst es je wieder kontrollieren konnte. Er verlangte das Unmögliche von ihr. Und so tobte und wütete er, fluchte und weinte und sah jedes mal, wenn er den Blick erhob, nur ihr unbewegtes Gesicht und nahm in Kauf, wie sie innerlich verbrannte, ohne dass auch nur ein Funken den Weg an die Oberfläche finden konnte.

Wir fahren die Autobahn Richtung Süden. Sind schon zehn oder mehr Stunden unterwegs. Ich sitze auf der Rückbank, blicke durch die Vordersitze hindurch auf die Straße. Auf einmal fällt ein riesiger Baum wenige Meter vor uns quer auf die Straße, die drei Autos vor uns können nicht mehr Bremsen, Reifen quietschen, Karosserien überschlagen sich und explodieren beim Aufprall mit dem monströsen Stamm, der mehrere Meter im Durchmesser hat. Der Fahrer meines Autos reißt das Lenkrad zur Seite, kurz vor unserem eigenen Verderben reiße ich die Augen auf. Die Straße liegt ruhig vor uns, weit und breit nur Bergwiesen.
Wir fahren weiter durch die ruhige Berglandschaft. Meine Gedanken schweifen ab zu einer Geschichte, die ich vor einigen Wochen einmal geträumt habe. Eine ziemlich klassische Horrorgeschichte von Jugendlichen, die in einer abgeschiedenen Berghütte wohnen, einer von ihnen ist der Mörder, aber nicht einmal ich weiß, wer, obwohl sich das alles doch nur in meinem eigenen Kopf abspielt. Selten träume ich so klar und zusammenhängend. Ich blicke zur Seite. Direkt hinter der Scheibe sehe ich das von Blutdurst verzogene siegessichere Grinsen der Mörderin, es ist das Mädchen, das zuletzt in das Haus gezogen ist. Sie hält ein Messer in der Hand und ihr schreiendes Lachen klingt mir in den Ohren, während sich ihr psychopathischer Blick in meine Augen bohrt. Mein Atem stockt, mein Herz überschlägt sich, ich bin verloren, denke ich und schreie. Reiße die Augen auf. Verstört blicken mich zwei vertraute Augenpaare an, die Szenerie hat sich kaum verändert. Durch das Fenster neben mir sehe ich nichts als Wiesen und Sträucher. An ihr Gesicht erinnere ich mich noch genau.
Vielleicht war es nicht so schlimm. Vielleicht fanden sie mich gar nicht so schlimm. Schließlich haben sie mit mir gelacht und geredet und beteuert, sich auf das nächste mal zu freuen. Aber glauben kann ich ihnen nicht, solange die Unsicherheit in meinem Kopf hämmert, bis mir schlecht wird. Es sind wie immer nur die Kleinigkeiten, über die ich bei jedem anderen Menschen wohlwollend hinwegsehen kann, wenn sie mir überhaupt aufgefallen sind, und wie immer frage ich mich, warum ich mir selbst nicht vegeben kann und warum ich hinter ihrem Lächeln und hinter ihren Worten so viel Missgunst und Abneigung erwarte und ihnen ihre Zuneigung nicht einfach glauben kann.
Ich fühle mich wieder wie in der Grundschule, wie das kleine Mädchen mit Brille, das als einzige keine Einladung bekommen hat und seine Tasche im Ausguss wiederfindet. Das nicht schreit oder zuschlägt oder heult, sondern schweigend in die lächelnden Gesichter schaut und so verunsichert ist, dass es sich sein Leben lang fragen wird, ob es dort, wo es ist, eigentlich erwünscht ist. Das so unendlich viel Zeit braucht, bis es Vertrauen fasst. Das bei jedem lächelnden weiblichen Wesen am liebsten weglaufen würde, weil es dahinter nur Abgründe und Intrigen erwartet.
Wir müssen uns öffnen, um Wärme zu empfangen. Aber nur mit offenen Armen können Stiche auch direkt ins Herz treffen.
Wir müssen andere mit uns selbst konfrontieren und konfrontieren dabei immer vor allem uns selbst.
„Ich habe das Gefühl, ich komme gar nicht so richtig an dich heran!“, sagst du mit deiner sanften, besorgten Stimme. Ich weiß, mein Schweigen verunsichert dich, also versuche ich etwas zu sagen. „Es ist nichts bestimmtes“, erwidere ich vorsichtig, während ich mich bemühe, deinem Blick Stand zu halten. Vermutlich ist das sogar die Wahrheit, aber ich glaube mir ebenso wenig wie du. Manchmal komme ich nicht einmal selbst an mich heran.
In meinem Kopf wohnen zwei Gestalten.
Eine davon übernimmt immer dann meinen Körper, wenn ich in Kontakt mit anderen Menschen trete. Diese Gestalt lässt mich interagieren, sprechen und diskutieren, lachen und tanzen und flirten und zicken und alles, was man dann halt so tut und hinterlässt mich mit einer Menge Gefühlen und losen Gedanken, die in mir kribbeln, aber nie wirklich greifbar sind.
Während dieser Zeit ist die andere Gestalt still und zurückhaltend und wirft nur ab und zu ein paar Empfehlungen und Kommentare ein Wirklich laut wird sie erst, wenn ich wieder allein bin. Dann hält sie mir gnadenlos den Spiegel vor, lässt jedes noch so kleine Gespräch immer und immer wieder revue passieren, zerlegt es in kleinste Bausteine, um jeden einzelnen kritisch zu analysieren. Sie beleuchtet die Situationen aus hundert verschiedenen Perspektiven, mein Verhalten, meine Mimik und Gestik und nicht zuletzt, wie sehr jedes Wort in dem Moment, in dem es fiel, passte oder wo es nötig gewesen wäre, obwohl die Stille gewann.
Ihre Kritik ist meist vernichtend und grausam, selten kann ich ihr standhalten. Dennoch höre ich aufmerksam zu, denn niemand ist so ehrlich und lehrreich wie die Selbstkritik.
Wir stehen zweihunderttausend mal am Tag vor der Entscheidung. Weitermachen, aufhören, durchbeißen, loslassen? Wir entscheiden unbewusst, automatisiert oder zerbrechen uns so lange den Kopf, bis wir die Frage vergessen haben. Selbstbestimmt oder fremdbestimmt? Und manchmal ist die Antwort so einfach, dass wir den falschen Weg einschlagen, bloß weil wir unser Glück gar nicht fassen können.